Rechtsextreme Teenager - Wie finden Eltern Hilfe?

Rechtsextreme Gruppen werben gezielt um Jugendliche - mit Internet-Clips, Musik und Gemeinschaftsgefühl. Worauf können Eltern achten?

Neue Freunde, Zahlencodes und Rechtsrock: Wenn Jugendliche in rechtsextreme Gedankenwelten abdriften, können sie Hilfe bei Beratungsstellen bekommen - ebenso besorgte Eltern. 

«Unsere vier Berater sind gut ausgelastet», sagte der Geschäftsführer des brandenburgischen Instituts Demos, Markus Klein, der Deutschen Presse-Agentur. Die Einrichtung bietet «Ausstiegs-, Distanzierungs- und Angehörigenberatung» (ADA) an - also für Menschen, die sich von rechtsextremen Einstellungen lösen wollen. 

Polizei und Bundesanwaltschaft gingen am Dienstag bundesweit bei einer Razzia gegen junge Neonazi-Gruppen vor - darunter waren auch neun mutmaßliche Mitglieder aus Berlin und Brandenburg.

Welche Anzeichen für eine rechtsextreme Gedankenwelt gibt es? 

Bei Jugendlichen können plötzlich menschenverachtende Sprüche und Parolen auftauchen, dazu rechte Codes und szenetypische Symbole wie «White Power»-Zeichen, erklärte Klein. Auch eine Veränderung im Freundeskreis und beim Musikgeschmack sei wahrzunehmen. 

Aber ganz klare und eindeutige Anzeichen gebe es dennoch nicht, so der Experte. Eltern müssten nicht sofort in Alarmismus verfallen. Teenager steckten in einer Lebensphase voller Umbrüche, wollten provozieren und sich von der Generation der Eltern abgrenzen. Aber wenn bestimmte Akteure ins Leben der Kinder treten, sie Demonstrationen, Schulungen und Camps besuchen, sollten Eltern sehr genau hinsehen, rät Klein. 

Was können Eltern tun?

«Wichtig ist es hier, das Gespräch auf Augenhöhe zu suchen - nicht vorwurfsvoll, sondern möglichst offen», sagte Maica Vierkant, die Geschäftsstellen-Leiterin des Aktionsbündnisses Brandenburg. «So haben Eltern zumindest die Chance herauszufinden, wo und wie ihr Kind mit den Inhalten und Materialien in Berührung gekommen ist und wie viel Überzeugung dahintersteckt.» Markus Klein von Institut Demos sagte: «Man kann versuchen, das Kind zu verstehen, ohne einverstanden zu sein.»

Wie finden Eltern Hilfe?

Wenn Eltern sich Sorgen machen, bietet die Ausstiegs-, Distanzierungs- und Angehörigenberatung nach eigenen Angaben schnell und niedrigschwellig Hilfe an. «Wir rufen zügig zurück», sagte Klein. 

Die Jugendlichen selbst werden meist von Staatsanwaltschaften, der Jugendgerichtshilfe und der Polizei zu den Beratern geschickt. Zahlen, wie viele Beratungen Demos durchführt, wollte das Institut nicht nennen. Zudem gibt es ein Ausstiegsprogramm beim Verfassungsschutz Brandenburg.

Sobald sich Eltern überfordert fühlten oder das Gefühl hätten, allein nicht mehr weiterzukommen, könne ein Austausch mit anderen Betroffenen oder professionelle Hilfe sehr entlastend sein, meinte Vierkant. Sie verweist auch auf das Berliner Projekt mit dem Titel «Mein Kind ist rechts ?!», das Orientierungshilfe gibt. 

Welche Rolle spielen soziale Medien? 

Junge Menschen werden bei Social Media-Pattformen gezielt mit Videoclips, Memes oder Skandalnachrichten angesprochen, so das Aktionsbündnis Brandenburg. «Dies kann offen geschehen, aber auch subtil, wenn etwa rechtsextreme Ressentiments mit Themen aus der Lebenswelt von Jugendlichen wie dem Sport verknüpft werden», meinte Vierkant. 

Ihre Forderung: Die Allgegenwart von Rechtsextremismus in den sozialen Medien mache es besonders dringlich, jungen Menschen Medienkompetenz zu vermitteln, aber auch, die Plattformen besser zu regulieren. 

«Soziale Medien funktionieren als Beschleuniger», sagte auch Geschäftsführer Klein von Demos. Allerdings werde der Einfluss seiner Ansicht teils auch überbewertet, weil etwa Freundesgruppen mindestens genauso wichtig seien. 

Kann sich ein Jugendlicher wieder von den Ideologien lösen?

Politische Einstellungen gelten in der Jugend in der Regel noch nicht als gefestigt. Für die meisten Jugendlichen sei die Suche nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ein wichtiges Motiv, um sich der rechtsextremen Szene zuzuwenden, heißt es beim Projekt «Mein Kind ist rechts?!». 

Fachleute erklären, dass es zu Beginn womöglich auch darum geht, Spaß zu haben und zu einer vermeintlich elitären Gruppe zu gehören. Neue Freundschaften könnten Jugendliche aus der rechten Szene lösen, hieß es. Experten warnen aber davor, einfach darauf zu hoffen und nichts zu tun.



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