Student hilft, Miete sinkt

Im Gewächshaus stehen Dutzende Tomatenpflanzen, sie müssen dringend in die Erde. Bernd Mauerhof zeigt Leo Kiepisch, wo er graben soll – und wie tief. Auf dem Hof und im weitläufigen Garten in Nattwerder bei Potsdam gibt es jede Menge zu tun. Zwischen den beiden Männern liegen fast 50 Jahre Altersunterschied, dennoch teilen sie sich den Alltag – in einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. «Wohnen für Hilfe» heißt das Projekt, das sie zusammengebracht hat. 

Leo Kiepisch zahlt nur 150 Euro Miete, im Gegenzug leistet er pro Monat etwa zehn Arbeitsstunden. Die Zahl richtet sich nach der Größe seines Zimmers - eine Stunde pro Quadratmeter. «Für mich ist es wie ein Sechser im Lotto», freut sich der Student und auch Vermieter Mauerhof profitiert: «Ich kann dank der Hilfe den Standard auf dem Hof und im Garten halten – ohne sie müsste ich die Rasenfläche vergrößern», so der 73-Jährige.

«Bei erfolgreichen Wohnpartnerschaften profitieren beide Seiten: Ältere Menschen können häufig länger in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben, während Studierende sehr günstigen oder kostenfreien Wohnraum erhalten und sich dadurch stärker auf ihr Studium konzentrieren können. Darüber hinaus entstehen oft bereichernde Kontakte und mitunter sogar echte Freundschaften zwischen den Generationen», sagt Josephine Kujau, Sprecherin des Studierendenwerks West:Brandenburg. Dort wurde das Projekt 2020 gestartet.

Seitdem seien mehr als 80 solcher Wohnpartnerschaften vermittelt worden. «Das entspricht immerhin der Größenordnung eines kleinen Wohnheims», so die Sprecherin. Das Studierendenwerk sei überzeugt von dem Konzept. «Wir wissen aber gleichzeitig, dass es bei der Frage nach bezahlbarem Wohnraum nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.» 

Wohnheimplätze sind in Potsdam rar, andere günstige Zimmer und Wohnungen ebenso. Die durchschnittliche Pauschalmiete liegt im Studierendenwerk West:Brandenburg bei mehr als 300 Euro. Auf dem freien Markt liegen die Kosten oft deutlich höher.

Weil seine Zimmersuche zunächst erfolglos blieb, pendelte Leo Kiepisch täglich aus seiner Heimatstadt Herzberg im Süden Brandenburgs nach Potsdam. «Ich war sehr gefrustet und musste eineinhalb bis zu zwei Stunden pro Strecke fahren», erzählt er. Nach dem Tipp einer Cousine aus Karlsruhe kam die Idee zum Wohnen gegen Hilfe. Dort läuft das Projekt seit 2008. 

Der Vermittlungsprozess sei unkompliziert gewesen, erinnert sich Kiepisch. «Ich musste einen Fragebogen ausfüllen, ähnlich wie in einem Freundschaftsbuch», sagt er. 

«Wir vermitteln nach praktischen und persönlichen Kriterien», erläutert Kujau. «Ausschlaggebend ist letztlich aber, dass die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt.»

In Nattwerder passt sie. Ihn habe die von Anfang an große Offenheit Bernd Mauerhofs überrascht, erzählt Leo Kiepisch. «Für mich ist er eine Mischung aus drittem Opa und Mitbewohner», sagt er. Auch für ihn sei die WG eine Bereicherung, erzählt der ehemalige Sozialarbeiter Bernd Mauerhof, der bereits verschiedene Mitbewohner hatte. Anfangs, vor etwa vier Jahren, habe es ihn zwar etwas Überwindung gekostet, sein Haus für fremde Mitbewohner zu öffnen. 

«Aber für mich ist es fast durchgehend eine gute Erfahrung gewesen», sagt er rückblickend. In den vergangenen vier Jahren habe er nur mit einem Studenten Schwierigkeiten gehabt. «Ich hatte das Gefühl, dass die Aufgaben auf dem Hof hinter dem Studium, Sport und Freizeit an allerletzter Stelle standen», so Mauerhof. Er habe sich Hilfe des Projektleiters geholt. Mit dem Auszug des Studenten habe sich das Thema erledigt. 



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Sally

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