Wildschweine im Visier
Auf der digitalen Wildschwein-Karte der Gemeinde Kleinmachnow südwestlich von Berlin ist ordentlich Bewegung: Rote Punkte markieren, wo Wildschweine und Futterstellen entdeckt wurden.
Seit Dezember 2025 können Bürger ihre Beobachtungen online melden. «Zwei bis drei Sichtungen in der Woche werden eingetragen», schätzt Kleinmachnows Bürgermeister Bodo Krause (CDU). Das Wildschwein-Monitoring soll auch eine Hilfe für Jagdpächter sein, die gegen unerwünschte Wildschweine eingreifen.
Die als anpassungsfähig geltenden Tiere treiben sich seit Jahren in Grünanlagen und Wohngebieten herum, graben Gärten um und suchen Futter - längst nicht nur in Kleinmachnow im Berliner Speckgürtel. Auch die Stadt Brandenburg an der Havel hat reagiert: Zwei Wildschweine wurden dort vor kurzem geschossen. Zudem werden im Stadtgebiet von Potsdam vermehrt Wildschweine beobachtet, wie es Ende Juli hieß.
In sozialen Medien war zu sehen, wie Wildschweine in Brandenburg an der Havel ohne große Scheu über zentrale Plätze in der Innenstadt zogen. Es habe Situationen gegeben, die seien nicht mehr nur «schön und niedlich» gewesen, «sondern da war's dann eben auch gefährlich», sagte Brandenburgs Oberbürgermeister Daniel Keip (SPD) dem RBB.
Kleinmachnows Bürgermeister kennt die Aufregung. «Der Großteil der Bevölkerung fühlt sich durch die Schweine bedroht und ist genervt», sagte Krause der Deutschen Presse-Agentur. Die stärkere Jagd auf Wildschweine, aber auch Zäune und die Sicherung von Mülltonnen hätten die Lage inzwischen verbessert, meinte Barbara Schlesinger, die für die Linke in der Gemeindevertretung sitzt. Sie hatte das digitale Wildschwein-Monitoring und eine Facebook-Gruppe mitinitiiert.
Seit April seien um die 60 Wildschweine erlegt worden, sagte Bürgermeister Krause. «Wir stellen den Schweinen weiter nach. Aber wir richten jetzt kein Blutbad an.» Mit anhaltendem «Jagdeifer» hoffe er aber, dass sich im kommenden Jahr eine Situation beim Wildschwein-Bestand erreichen lasse, die nicht mehr als «störend» empfunden werde. Die Zahl der Wildunfälle sei bereits gesunken. Aber Krause sagte zu den Maßnahmen gegen die Schwarzwild-Rotten auch: «Das ist eine Daueraufgabe.»
Durch die Jagd sind die Tiere jetzt aus seiner Sicht aufgescheucht. Es komme daher häufiger zu gefährlichen Situationen. Der Bürgermeister schilderte, ein Wildschwein sei einer Bürgerin mit einem Hund mehr als hundert Meter weit hinterhergelaufen. Eine andere Frau habe sich in ein Auto gerettet, weil ihr ein Tier zu nahe gekommen sei.
«Wir können nicht hinnehmen, dass Schweine ansässig werden in der Ortsmitte. Das ist ein Sicherheitsrisiko», so Krause. Auf den Schlagzeilen machenden Löwen-Alarm in Kleinmachnow im Sommer 2023 wird er nur ungern angesprochen. Der CDU-Politiker war noch nicht im Amt. Damals entpuppte sich ein vermeintlicher Löwe, der einen Großeinsatz der Polizei auslöste, als Wildschwein - und die 20.000-Einwohner-Gemeinde wurde zur Lachnummer.
Recht gelassen reagiert die Landeshauptstadt Potsdam derzeit auf die Wildschwein-Sichtungen in der Nähe von Siedlungen. Die Situation werde nicht als besorgniserregend bewertet, hieß es aus dem Rathaus. «Begegnungen mit Wildschweinen sind in einer waldreichen Stadt wie Potsdam, insbesondere an den Übergängen zwischen Wald- und Siedlungsflächen, grundsätzlich nicht ungewöhnlich.» Behörden und Jäger beobachten die Entwicklung.
